»Tintifax»Ausgabe 02/2004Gender Mainstreaming .. ist ein langer und eher ungreifbarer Begriff. Um ihn etwas zu konkretisieren, klärt dieser Artikel das Vokabular. Gender Mainstreaming ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann (Chancengleichheit) als Querschittspolitik, indem die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen beider Geschlechter in allen Bereichen von Politik und Verwaltung als leitendes Prinzip mit zu berücksichtigen sind. Die Verpflichtung zu Gender Mainstreaming ist europarechtlich verankert. Zum Beispiel im Artikel 2 des EG-Vertrages (Amsterdamer Vertrag): "Aufgabe der Gemeinschaft ist es, durch die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes ... in der ganzen Gemeinschaft ... die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern." sowie Artikel 3 Absatz 2 dieses Vertrages: "Bei allen in diesem Artikel genannten Tätigkeiten wirkt die Gemeinschaft darauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern. “Die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU, Leitlinie Nr. 19, verpflichten dazu, "einen Gender Mainstreaming-Ansatz zugrunde zu legen", und verwenden damit diesen Begriff für die in Art. 3 Abs. 2 formulierte umfassende Verpflichtung. Die EU-Kommission hat ein umfangreiches Arbeitsprogramm zur Umsetzung dieser Verpflichtungen und veröffentlicht einen jährlichen Bericht zur Chancengleichheit in Europa (jeweils aktuell zu erreichen über die Website der EU: http://europa.eu.int/). Definitionen der Bundesregierung Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.
Mainstreaming (englisch für "Hauptstrom") bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird.
Gender Mainstreaming ist damit ein Auftrag an die Spitze einer Verwaltung, einer Organisation, eines Unternehmens und an alle Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern in der Struktur, in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen, in den Ergebnissen und Produkten, in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit und in der Steuerung (Controlling) von vornherein zu berücksichtigen, um das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern effektiv verwirklichen zu können. Frauenpolitik vs. gender mainstreaming Da in Österreich der sehr bemerkenswerte Fall eintrat, dass ein Mann Frauenminister war, ist es interessant zu verdeutlichen was der Unterschied zwischen Frauenpolitk und Gender Mainstreaming ist.
Frauenpolitik - zielt direkt auf den Abbau von Benachteiligungen ab
- reagiert auf bestehende Ungleichbehandlung im politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben
- betrifft Zielgruppen der Frauen bzw. einen oder mehrere definierte Teile der weiblichen Bevölkerung
- sucht schnelle Lösungen, die eine unmittelbare Verbesserung der Lebenssituation von Frauen nach sich ziehen
- wird von eigenen, für Frauenpolitik zuständigen Organisationseinheiten, die darüber hinaus in andere Politikbereiche Vorschläge zur Umsetzung einbringen, umgesetzt Gender Mainstreaming - zielt auf Rahmenbedingungen und Strukturen ab
- analysiert den Ist-Zustand anhand von Daten und will den Aspekt der Chancengleichheit von Frauen und Männern in alle Politikbereiche und politischen Maßnahmen auf allen Ebenen einbringen
- betrifft Frauen und Männer
- sucht auch einen kurzfristigen Ausgleich, legt jedoch seine Hauptperspektive auf die langfristige Beseitigung von Ungleichheitsstrukturen
- betrifft alle Akteurinnen, die an der Gestaltung, Umsetzung und Evaluierung politischer Konzepte beteiligt sind |